Sagen

 
Der Taurasteinman

In alter Zeit türmten sich die Felsmassen des Taurasteins viel höher aufeinander als heute. Es gab dort zahlreiche Höhlen, die sich ein Riese zu seinem Aufenthalt auserkoren hatte. Dieser Unhold erschien zuweilen dem nächtlichen Wanderer und jagte ihm Furcht und Grauen ein. Unsere Vorfahren glaubten, dieses unheimliche Wesen wäre der leibhaftige Teufel selbst.

TaurasteinmannEinmal fiel es dem Ungeheuer ein, sich eine neue Burg zu bauen. Als Bauplatz wählte der Riese den stillen Abschnitt des Chemnitzflusses, der früher den Namen Zietzsche führte, heute aber Schweitzerthal heißt. Allnächtlich schleppte der Dämon schwere Steinblöcke vom Taurastein dorthin und gedachte, so Stein auf Stein zum Bau der neuen Höhlenburg aufzurichten. Sein Weg führte über die Tauraer Wiesen, der Flurgrenze zwischen Mohsdorf und Taura entlang. Der Böse nahm aber immer mehr Steine, als er tragen konnte. So kam es, daß er unterwegs etliche Brocken von seiner Last verlor. Diese liegen noch heute dort, und mancher wird sich gewundert haben, woher diese Steine gekommen sein mögen.

Mit dem Bau der Höhlenburg wollte es jedoch nicht recht vorwärtsgehen; denn tagsüber stürzte immer, was in der Nacht entstanden war, wieder zusammen. So mühte sich das unheimliche Wesen eine Zeitlang ab. Aber endlich verlor es die Geduld und ließ die Steine liegen. Sie füllen das Flußbett, liegen zu Haufen verstreut an den Talhängen und erregen das Erstaunen der Menschen. Das Werk des Riesen war vereitelt, und mit Ingrimm zog er sich in seine Höhle am Taurastein zurück. Zuweilen erschien er den Menschen noch immer als Schreckgespenst.

Wenn in alten Zeiten der Sturmwind in banger Winternacht um die Häuser brauste, so rückten die geängstigten Bewohner wohl enger zusammen. Zu den Kindern aber sagten sie: "Hört, der Taurasteinmann geht um!"

Quelle: "Aus dem Sagenschatz unserer Heimat" für den Kreis Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), Heft 1-1956
Zeichnung: Horst Schieke

 
Die Nixenwannen und Nixensteufe des Chemnitzflusses

Im Chemnitztale hat das nagende und mit Sand und Gerollen schleifende Wasser in den Blöcken des Cordieritgneises zahlreiche Strudellöcher gebildet, welche man daselbst „Nixenwannen“ nennt. Einen Teil der Chemnitz zwischen Alt- und Neuschweizerthal, eine Strecke von ungefähr 300 bis 400 Metern, wo die Chemnitz, zumal im Frühjahr und Herbst, am wildesten ist und so heftig schäumt und brüllt, dass man an ihren Ufern sein eigenes Wort nicht hört, bezeichnet man als Nixensteufe. Mitten in dieser Strecke befindet sich im Flusse ein großer, vollständig durchlöcherter Steinblock, der zu einer förmlichen Höhle ausgewaschen worden ist. Diese Höhle galt beim Volke als der Ausgang eines unterirdischen Nixenschlosses und man erzählte sich, dass man, besonders in mondhellen Nächten, die Nixe in langen weißen Gewändern durch das Tal habe ziehen sehen.

Nahe bei der Nixensteufe erhebt sich am rechten Ufer der Chemnitz ein mächtiger Fels, im Volke die „Ullrichsburg“ genannt, der ehedem ein Raubschloss getragen haben soll. Vor circa 35 Jahren aber war das ganze Terrain, welches jetzt den Namen Schweizerthal führt, ein großer Wald, der im Munde des Volks „Zietsch“ hieß, und durch dessen Dunkel weder Weg noch Steg führte. Die Zietsch war gefürchtet von den Leuten, und nach Dunkelwerden wagte sich kein Wanderer mehr auf den unwegsamen Pfad, welcher der Chemnitz entlang lief. Dabei musste man die obengenannte unheimliche Nixensteufe passieren.

Quelle: Dr. Theile in "Über Berg und Thal", 7. Jahrg., No. 5.

 

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